OTTO BERNHEIMER

GRUNDSCHULE

FELDAFING

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Als man Pfarrer Schuster 1815 mit den Dekanats- und Kammereriatsgeschäften betraute, blieb ihm kaum noch Zeit für die Schule. Das Landgericht Starnberg stellte deshalb den Antrag, die Feldafinger Kinder einer Nachbarschule zuzuteilen. Distriktsschulinspektor Schweiger aus Starnberg erklärte sich zwar grundsätzlich damit einverstanden, wies jedoch darauf hin, dass sich die vorgesehene Vereinigung mit der Schule in Pöcking nicht ausführen lasse, weil es dort an einem geeigneten Lokal für eine größere Schülerzahl mangle. Er hielt es für zweckmäßiger, die Kinder von Feldafing an die Schule nach Traubing zu schicken, da dort das Klassenzimmer genügend Platz biete. Zwar sei der Weg nach Traubing weiter als nach Pöcking, doch die weitere Entfernung werde mehr als ausgeglichen durch das Nützliche und Vorteilhafte des Unterrichts in Traubing.

Der Lokalschulinspektor von Traubing teilte am 3. Juli 1815 dem Generalkommissariat mit, dass das Traubinger Schullokal geräumig genug sei, um die Kinder von Feldafing aufzunehmen. Die Regierung beauftragte daraufhin die Distriktsschulinspektion und das Landgericht in Starnberg zu veranlassen, dass die Kinder aus Feldafing die Schule in Traubing besuchen. Doch die Feldafinger leisteten Widerstand. Am 29. November 1815 zeigte der Distriktsschulinspektor dem Landgericht an, dass bisher noch kein einziges Feldafinger Kind in der Traubinger Schule erschienen sei. Landrichter Barth sah sich deshalb veranlasst, der Gemeinde Feldafing durch das Patrimonialgericht6 Garatshausen seine Missbilligung zum Ausdruck bringen zu lassen. Außerdem wurde bezüglich des Schulbesuchs eine deutliche Weisung erteilt. Die Eltern seien allen Ernstes anzuhalten, ihre Kinder in die Schule nach Traubing zu schicken. Auch das Schulgeld müsse für jedes Kind, egal ob es zum Unterricht komme oder nicht, an den Lehrer in Traubing entrichtet werden. Doch trotz Androhung von Strafen bei Schulversäumnissen kamen die Kinder von Feldafing auch im Winter 1815/1816 nicht nach Traubing. Pfarrer Schuster nahm sich der Sache wieder an. Um die Eltern vor Strafe zu bewahren, unterrichtete er die Kinder an seinen geschäftsfreien Tagen im Pfarrhof.

Endlich am 15. Februar 1817 sandte Landrichter Barth einen Bericht an das Generalkommissariat des Isarkreises nach München: Für die Kinder von Feldafing wäre es sehr beschwerlich, bei schlechter Witterung sogar gesundheitsgefährlich, täglich bis nach Traubing gehen zu müssen. Feldafing liege im Tal, nahe am Würmsee, Traubing aber auf dem hohen Bergrücken, welcher die Westseite dieses Sees bestreicht. Für Kinder von 7 – 12 Jahren sei es keine Kleinigkeit, täglich 1½ Stunden bergigen Weg zurückzulegen. Diesen Umstand (trotz der Dekanatsgeschäfte) möge den Pfarrer Schuster bewegen, den Schulunterricht wieder aufzunehmen und fortzusetzen. Bei vorzüglicher Eigenschaften dieses Mannes möchte es geraten sein, denselben zur Wiederaufnahme des Unterrichts für die Kinder der isolierten, aus 47 Familien bestehenden Ortschaft Feldafing zu ermuntern, als die Kinder zum Besuche der weitentfernten Schule Traubing zu zwingen, wohin sie dann gewiesen werden mögen, wenn keine andere Gelegenheit mehr übrig sei, ihnen die Wohltat eines gedeihlichen Unterrichts zu verschaffen. Als bei der Neuwahl des Dekans die Stimmenmehrheit nicht auf Pfarrer Schuster entfiel, fand er wieder Zeit die Erziehungs- und Schultätigkeit im Pfarrhof aufzunehmen. Der Unterricht fand dann jedoch mit seinem Wegzug aus Feldafing, Ende 1820 sein Ende. Sein Nachfolger, Joseph Weininger, kümmerte sich wenig um die Erziehung der Jugend. Das Landgericht Starnberg erteilte dem Patrimonialgericht Garatshausen den Auftrag, die Schule in Feldafing aufzulösen und die Einweisung der Kinder in die Schule Pöcking zu veranlassen. Die Gemeinde Feldafing versuchte, die Anweisung zu umgehen. Da Ortspfarrer Weininger für die Schule kein Interesse zeigte, beschloss der Gemeinderat am 25. April 1823 einen als Schullehrer geprüften Frater, der gerade in Monatshausen unterrichtete, als Schulmeister für die 30 Kinder auf eigene Kosten einzustellen. Allerdings konnte man sich ein eigenes Schulhaus nicht leisten. Der Unterricht sollte deshalb in der Wohnstube des Mesners stattfinden. Man hoffte, so dem Willen der Regierung zu entsprechen, ohne sich in Schulden zu stürzen. Das Patrimonialgericht unterstützte offenbar die Ansicht der Gemeinde Feldafing. Es wies besonders auf die zur Winterszeit herrschende Ungangbarkeit des Weges nach Pöcking hin. Das Gericht forderte Pfarrer Weininger auf, als Lokalschulinspektor eine Erklärung zu dem von der Gemeinde vorgeschlagenen Vorhaben abzugeben. Doch dieser war dazu nicht zu bewegen und verhielt sich bei der für die Gemeinde so wichtigen Angelegenheit völlig teilnahmslos. Endlich übergab das Landgericht die Sache zur Begutachtung dem Distriktschulinspektor Rohrmüller von Starnberg. Dieser empfahl, vermutlich von Pfarrer Weininger beeinflusst, die Schule in Feldafing aufzulösen und die Kinder nach Pöcking zu überweisen, allerdings erst nach Erbauung eines geeigneten Schulhauses in Pöcking.

Man beschloss die Errichtung eines neuen Schulhauses in Pöcking. Feldafing weigerte sich, den geforderten hohen Beitrag zu leisten und erachtete immer noch die Wohnung des Mesners für brauchbar.

Am 18. März 1824 wurde einem Antrag des Landrichters stattgegeben, wonach die Schule Feldafing im Verband der Schule Traubing zu verbleiben hatte. Die Kinder besuchten die Schule in Traubing von 1820 bis 1828. Nach dem die Pläne des neuen Schulhauses einige Zeit geruht hatten, griff sie der Landrichter erneut auf. Nun wandte sich die Gemeinde Feldafing mit einer Eingabe vom 16. Februar 1826 direkt an König Ludwig I.: Bei vorhablicher Organisation eines zweckmäßigen Schulverbandes wurde die Gemeinde zum Schulverband von Pöcking gewiesen, wo man bereits zur Herstellung eines Schulgebäudes schreiten will. Wir haben dagegen vielfach untertänige Vorstellungen gemacht, allein vergebens. Daher wagen wir es Eure Königlichen Majestät um allergnädigste Hilfe zu bitten. Wir haben in Feldafing ein Pfarrhaus und einen Pfarrer, von denen frühere Schule gehalten haben. Seit sechs Jahren sind wir zur Schule Traubing gewiesen, womit wir zufrieden waren und wir unsere Kinder mit guten Fortschritten lernen sahen. Nun sollen sie nach Pöcking kommen, was uns nicht allein mehr entfernt liegt, woselbst nicht einmal noch ein Schulhaus besteht, sondern auch erst eines aus unseren und anderen Beiträgen gebaut werden soll. Dies ist eine Unmöglichkeit und der Fortbesuch der Schule in Traubing durch unsere Kinder wäre erwünschter und zweckmäßiger aus folgenden Gründen:

  1. Wir haben in der Gemeinde Feldafing 39 meist kleine Häuser,
  2. sind Hofmarksuntertanen und mit grundherrlichen Lasten und Scharwerk überbürdet.
  3. Das neue in Pöcking zu erbauende Schulhaus kommt über 4000 fl. zu stehen. Den uns treffenden Betrag zu leisten sind wir in anbetracht der ärmlichen Verhältnisse nicht imstande.
Wir können nur mit Not unser Leben fristen; aber zu einem vorhablichen Schulhausbau, der uns noch dazu ganz ungelegen ist, können wir nichts liefern. Wir haben bisher an der allerhuldvollsten Einrichtung unserer Kinder durch Schulbesuch in religiösen und anderen wissenswerten Kenntnissen zu bilden mit dankbarer Anerkennung teilgenommen und mit Freude unsere Kinder in die Schule nach Traubing geschickt. Diese Schule ist uns durch Fahrlosigkeit und die Güte des Weges, sowie ihrer übersehbaren Nähe am angenehmsten, wogegen der Weg nach Pöcking ausführen zu helfen wäre offenbar gegen Billigkeit und Recht. Wir wagen daher die Bitte Eure Königliche Majestät wollen allergnädigst geruhen uns bei der Schule Traubing zu belassen.

Dem Ansuchen der Gemeinde Feldafing wurde nicht stattgegeben, sondern im Gegenteil, das Ministerium erteilte der Gemeinde mit Schreiben vom 1. September 1826 wegen Entstellung der Tatsachen sogar eine Rüge.

Der Schulverband mit Pöcking bekam durch das energische Vorgehen der Behörden dann doch noch ein festes Gefüge. Als der Schulhausbau 1928 vollendet war, besuchten die Feldafinger Kinder die Schule in Pöcking. 7